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Eibegleitung



EIBEGLEITUNG

Der Titel dieses Kapitels lautet vielleicht etwas sonderbar oder eng und nur von sogenannten
“Brotzüchtern” zu gebrauchen, aber nichts ist weniger wahr.

Erstens möchte ich gern benachdrücken, dass alles in dieser Broschüre darauf gerichtet ist Ihnen als Hobbyzüchter/Privatperson noch mehr das Hobby geniessen zu lassen. Und so viel wie möglich Enttäuschungen zu vermeiden. Denn offen gesagt, die meisten Hobbys kosten eine
Menge Geld ( denken Sie mal an den Ankauf eines einzigen Papageienpaares) und es wäre ja doch interessant, dass auch die ersten Erfolge schon innerhalb einer kurzen Periode notiert
werden könnten. Es macht nichts aus, ob wir reden über ein oder zwanzig Paare, das Vergnü-
gen, das Sie zusammen mit Ihren Vögeln und anderen Verwandten am Hobby erleben, steht
immer wieder und überall zentral.

Naturbrut als Zweck
Wir setzen voraus, dass jeder sich bemüht um im Prinzip Naturbrut zu kriegen: Elternvögel welche ihre Eier normal ausbrüten, sie nicht vernichten und nachdem ihre Küken aufziehen bis
die Küken selbständig sein können. Das ist die ideale Lage und Naturbrut ist denn auch präch-tig.

Leider ist die Wirklichkeit für viele Vögel und ihre Besitzer ganz oder teilweise anders. Wir
können unsere Vögel aber auch als Menschen ‘aufziehen’ und sie lehren schrittweise und
bedachtsam mit ihren Eiern und nachher mit den Jungen umzugehen. Daneben können wir die
Krummschnabeleier gut beobachten, so dass möglichst viele Küken aus den befruchteten Eiern
schlüpfen. Alles dreht sich um Observation: der Elternvögel so wie auch der Eier. Dadurch be-
kommen Sie sehr viele wichtige Informationen, die Sie dringend brauchen für die Zukunft



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Ihres Hobbys.
Dies alles gehört zur Eibegleitung, ungeachtet der Eieranzahl. Der Unterschied liegt in der Zeit
die Sie als Besitzer für die Begleitung los sind, aber vergleichen Sie dies mit dem (emotionel-len) Wert den die Vögel für Sie haben, dann wird der Zeitfaktor sich ganz in nichts auflösen.

Die Praxis
Fangen wir an bei einem Paar, das gerade ein paar Eier gelegt hat. Sie haben das Paar noch nicht so lange, oder es ist ein junges Paar. Sie wissen jedenfalls nicht genau, wie sie mit den Eiern umgehen werden. In diesem Fall holen wir die gelegten Eier sofort aus dem Nest und
ersetzen sie durch echte zbs Taubeneier. Die Krummschnabeleier gehen in die Brutmaschine. Das Elternpaar werden wir genau beobachten; bleiben sie normal brüten, vernichten sie die Taubeneier, werden die Eier aus dem Nest geworfen, wer des Paares tut was ? All diese Antworten ergeben wichtige Information für den zu befolgenden Trajekt.

Die echten Papageieneier sind in die Brutmachine gegangen. Diese hat bei uns andauernd 37,2°
Celsius und eine Luftfeuchtigkeit zu 52 %. Ab diesem Moment gibt es zwei Möglichkeiten:
abwarten bis das Ei angepickt wird oder jeden Tag das Ei mal wiegen, so dass kontrolliert
werden kann, ob die Luftfeuchtigkeit im Ei gut bleibt. Das können wir messen mittels des Ei-
gewichtes. Ist die Luftfeuchtigkeit im Ei nicht gut, dann wird die Überlebungschance mit 90% vermindert. Wiegen wir das Ei jeden Tag, dann können wir die Luftfeuchtigkeit in der Brut-maschine so einstellen, dass das Gewicht auf dem durch uns gewünschten Niveau bleibt.

Es wird deutlich sein, dass wir uns dafür entscheiden müssen jeden Tag dem Ei unsere Auf-merksamkeit zu widmen. Das ist eine schwere Aufgabe, aber für etwa 20 Eier in der Brutmaschine kostet es uns zum Beispiel nur eine Viertelstunde extra pro Tag.

Messen ist Wissen
Aus Forschungen ergibt sich, dass ein Ei vom Augenblick, da es gelegt wird zum Moment da es angepickt wird durchschnittlich 15% abnehmen muss. Ein Ei zu 20 Gramm beim Legen
muss also 3 Gramm(= 15%) leichter geworden sein im Augenblick des Anpickens. Übrigens,
nach dem Anpicken braucht das Küken im allgemeinen noch etwa 48 Stunden( ! ) das Ei völlig
zu verlassen.
Wir wissen von all unseren Paaren was die durchschnittliche Brutdauer ist, so dass wir wissen
über wieviel Tage wir die Gewichtabnahme ausschmieren müssen. Die Abnahme verläuft näm-lich ganz liniär (jeden Tag ein gleicher Gewichtsverlust). Nur am ersten Tag nimmt das Ei oft mehr ab als wir berechnet haben. Das ist gar nicht so schlimm und alles ersetzt sich meistens in den folgenden Tagen. Oder es bleibt eine konstante Abweichung.

Tabelle
Pro Ei machen wir eine Tabelle, die bestens wie folgt aussehen würde.

Beispiel: ein Ei eines Weisshaubekakadu wiegt 24,75 Gramm beim Legen und beim aus dem Nest holen. Die Brutdauer bis zum Anpicktag ist bei diesen Paaren meistens 27 Tage. Die Ge-
wichtsabnahme ist 15% und verteilen wir das über 27 Tage, dann gibt es eine Abnahme pro
Tag für dieses Ei zu 0.138 Gramm. Am Anpicktag muss das Gewicht dann 21,02 Gramm betragen. Das ist das optimale Auskommgewicht für das Küken.


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Für diese Methode braucht man eine digitale Waage mit zwei Kommastellen. Diese Waage ist
nicht billig, aber sie wird schnell zurückverdient.
Unser Formular mit der Tabelle sieht aus wie folgt:

Vorbildschema Eibegleitung

Paar              : ...                                     Einummer : ...
Mann            :Ringnummer                      Eigewicht : 24,75 Gramm
Weibchen      :Ringnummer                      Brutdauer : 27 Tage
Art                :Weisshaubekakadu             Berechnete Abnahme pro Tag : 0,138 Gramm
Flugnummer  : ...                                      Totales Gewicht bis zum Anpicktag : 21,02 Gramm


Datum    Tag    Berechnetes     Wirkliches       Zeit       Luftfeuchtigkeit        Befr.        Leb.
                        Gewicht            Gewicht
___________________________________________________________________________
















Schreiben und anpassen
Wir wiegen also jeden Tag und notieren das wirkliche Gewicht in der Tabelle. Hat das Ei jeden
Tag das genaue Gewicht, dann brauchen wir nichts zu tun. Weicht aber das wirkliche Gewicht ab, dann können wir mittels des Feuchtigkeitsgrades anpassen. Nimmt das Ei zuviel ab, dann die Luftfeuchtigkeit von Standard 52% etwas höher stellen. Denn ein Ei wird leichter, in dem Masse, wie es trockner wird. Das Anpassen der Luftfeuchtigkeit ist eine Sache der Übung, ein bisschen Fingerspitzengefühl und die Ergebnisse im Auge behalten. Pro Tag kann - wenn nötig - ein ganz klein bisschen angepasst werden.
Wir gebrauchen meistens Brinseabrutmaschinen, die einen Feuchtigkeitsmodul haben, der ana-log einzustellen ist. Drehen wir den Knopf, dann kann so die Luftfeuchtigkeit sehr genau und einfach eingestellt werden. Ablesen läuft analog.

In den letzten zwei Spalten notieren wir, wann wir feststellten, dass das Ei befruchtet war und
wann es Leben gab.


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Kritische Momente: Tag 2-12
Für die Anpassung des Eigewichtes ist die Periode zwischen Tag 2 und 12 sehr wichtig. Dann
bildet sich der Embryo und ist er am empfindlichsten für die Luftfeuchtigkeit. Das Luftfeuch-
tigkeitsniveau bestimmt das Embryoniveau.

Entscheidung: Tag 15
Die Papageien werden inzwischen auch jeden Tag gut beobachtet. Rund den 15. Tag werden Sie nämlich entscheiden müssen was mit den Eiern des Paares in der Brutmaschine geschehen wird. Gehen Sie zu den Eltern zurück oder bleiben die Eier in der Brutmaschine ?
Wir entscheiden rund den 15. Tag, weil um den 17. Tag die Vögel Leben in den Eiern fühlen werden. Das ist für sie das Zeichen, dass es gut geht und dass sie weiterbrüten müssen. Das Gefühl (Instinkt) darf ihnen nicht entnommen werden, wenn Sie wollen , dass sie die Eier selbst weiter ausbrüten. Die Antwort auf die Frage, ob die Eier zurück zum Elternpaar gehen, wird in erster Linie von den Vogeleltern selbst gegeben. Denn sie werden selbstverständlich nur ihre eigenen Eier zurückkriegen, wenn die Wachteleier noch immer ganz intakt sind und noch gut bebrütet werden. Das beweisst, dass sie imstande sind ihre eigenen Eier weiter selbst “zu be-leiten”. Für den Besitzer können natürlich auch andere Faktoren beim Zurückgeben der Eier. eine Rolle spielen. Naturbrut kostet weniger Menschenkraft und Anstrengung als Handauf zucht. Ausserdem ist, wie gesagt Naturbrut unser Streben.

Zweites Gelege
Haben die Papageien zbs. die Taubeneier nicht gut behandelt, dann sollen sie auch vor dem 17. Tag weggeholt werden. Die Papageieneier bleiben in der Brutmaschine und das Brutpaar kann sich für ein zweites Gelege aufmachen. Warten wir noch länger mit dem Wegholen der Tau-beneier, dann kann der Moment für das zweite Gelege schon vorbei sein.

Belang einer Informationssammlung
Bleiben die Eier nun in der Brutmaschine, dann müssen Sie an Handaufzucht denken. Es kann
ja sein, dass dies für Sie das erste Mal ist, oder dass es bei Ihren Vögeln oft passiert. In allen
Fällen ist es ratsam alle Charakteristiken Ihrer Paare im Computer zu speichern, oder schriftlich
in einem Heft zu notieren. Wichtig ist es immer aufzuschreiben, wieviel Tage nach dem Eilegen
das Küken es anpickt. Mittels dieser, pro Paar, gespeicherten Daten, kriegen Sie auf Termin
eine deutliche Übersicht über das Brutbenehmen und das Ausschlüpfen der Jungen pro Paar.
Dann werden Sie auch sehen, dass eine Norm für eine bestimmte Papageienart nicht als Regel
gemacht werden kann.

Statistik pro Paar
So gibt der Weisshaubekakadu der in dem Beispiel der Tabelle genannt wird, absolut nicht die
Norm an für Artgenossen. Wir haben auch Weisshaubepaare, wovon die Eier nach 25 Tagen
schon anpicken. Gibt es aber einen mehrjährigen Durchschnitt pro Paar zu berechnen, dann
können Sie also doch eine Norm stellen, aber dann nur geltend für das bestimmte Paar. Und
das gibt Ihnen eine sehr genaue Leitlinie für künftige Gelege.

Dasselbe gilt auch der Brutperiode usw. Auch hier kommen Varianten innerhalb der Art vor.
Es bestätigt unsere Meinung, dass wir nie verallgemeinern dürfen.



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Hemmung Brutneigung
Kakadus können ja eben ein sehr abweichendes Muster aufweisen. So haben wir diverse weisse
Kakadus, die das ganze Jahr hindurch Eier legen wollen. Das wird von uns wohl beigesteuert,
weil es oft sehr ungewünscht ist, dass ein Paar im späten Herbst noch mit einem neuen Gelege
beginnt.
Wir sperren die Nestblöcke dann dadurch, dass vor dem Einfliegloch ein dickes Brett ge-schraubt wird mit darin einem Löch von ungefähr 1 Zentimeter im Durchmesser.
Dieses kleine Loch wird von den brütigen Kakadus angegriffen als Ausgangspunkt das ganze Brett zu zertrümmern. Abhängig von der Härte des gebrauchten Holzes, dauert es meistens ein paar Monate bevor die Einfliegöffnung dann wieder gross genug ist. Und gegen diese Zeit le-ben wir schon wieder im Frühling. Ist dies noch nicht der Fall, wird wieder ein neues Brett angebracht werden.

Anpicktag: Ei zum Auskommschrank
Es ist soweit: nach Ihren Statistiken hat der Anpicktag für das Ei begonnen. Wir bringen das Ei
aus der Brutmaschine zum ‘Auskommschrank’. Der Unterschied ist, dass bei einer Brutmaschi-ne mit forcierter Luft gearbeitet wird, wobei also die Rede ist von Luftzirkulation. In dem Aus-kommschrank gibt es stille Luft, wobei keine Luftzirkulation auftritt. Für ein Ei ist Luftzirkula-tion nicht schädlich, aber ein (auskommendes) Küken hat kein Bedürfnis nach Luftzirkulation.
Die Temperatur im Auskommschrank haben wir - genau wie in der Brutmaschine - auf 37,2°
Celsius stehen. Die Luftfeuchtigkeit bringen wir nach minimal 75%! Selbst 80% ist gestattet.
Diese hohe Luftfeuchtigkeit kriegen wir einfach dadurch, dass wir ein Putztuch auf den Boden
des Auskommschrankes legen. Hierüber giessen wir ein Glas Wasser aus und setzen den Kasten mit dem Ei darauf.

Das aus dem Ei Schlüpfen
Wie schon eher gesagt, braucht ein Küken oft 48 Stunden um aus dem Ei zu schlüpfen oder zu
“kippen”. Das ist lange und erfordert Ihretwegen viel Geduld. Oft geschieht die ersten 30 Stunden nach dem Anpicken nämlich gar nichts. Man soll denn auch nicht in Panik geraten. Das Küken ist dann im Ei damit beschäftigt sein Eidotter einzuziehen.Dieses Dotter muss völ-
lig eingezogen sein bevor der Vogel geboren wird. Das Eidotter ist nämlich ein Nahrungspaket
für die ersten 20 Stunden in der Aussenwelt. Dazu enthält das Eidotter alle entsprechenden
Abwehrstoffe das Küken gegen allerhand Bakterien in den ersten Lebenswochen zu schützen.
Das völlige Einziehen des Dotters ist also lebenswichtig für das Küken.

Aus dem Obenstehenden geht hervor, dass ein neugeborenes Küken die ersten 15 bis 20 Stun-
den KEINE ergänzende Nahrung unseretwegen braucht. Es ist eigentlich der Zweck, dass es zuerst sein ganzes Eidotter konsumiert, so dass es möglichst stark werden kann. Sie können
auch sehen, dass es doch ‘frisst’, weil auch innerhalb der ersten 15 Stunden schon Kot im
Kästchen liegt, ohne dass es von uns irgendwelche Nahrung bekommen hat.

Probleme bei dem “Kippen”
Das Obenstehende gibt uns ein Idealbild: das Küken pickt an, ist in zirka 48 Stunden geboren und fängt nachdem an seinen internen Nahrungsvorrat zu konsumieren und zu wachsen. Oft
läuft das “Kippen” aber nicht ganz am Schnürchen. Es geschieht öfter dass der Vogel nicht
anpickt oder doch anpickt, aber dass selbst nach 48 Stunden noch gar nichts passiert.

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Pickt der Vogel an, dann ist es möglich, dass das Picken zu kräftig war, was bedeutet, dass
direkt Luft ins Ei kommen kann. In diesem Fall sind sowohl die Eierschale als die Eihaut sofort
durchbohrt. In diesem Fall wird das Vögelchen an der Eihaut geklebt. Die Eihaut trocknet
nämlich auf wo Luft dabei kam und das Vögelchen wird festgeklebt. Geschieht dies, dann
hören Sie dass am Laut des Kükens im Ei. Der Pieplaut wird dann nämlich in Lautstärke
abnehmen. Das Junge gerät erschöpft und wird schwächer und das ist das Zeichen zum Eingreifen.
Wir machen dann ein kleines Loch in der Eierschale zur Luftkammer, so dass das Jungtier
jedenfalls genügend Luft bekommt. Wir wissen wo die Luftkammer liegt indem wir das Ei mal
gut unter der Schierlampe beobachten. Sollte nach 48 Stunden noch nichts passiert sein, dann
öffnen wir die Luftkammer vorsichtig weiter mit einer Pinzette. Dies bedeutet, dass wir die Luft zu dem Jungen völlig zugänglich machen, aber es kann auch das Eintrocknen der Eihaut
veranlassen. Das ist unerwünscht (veranlasst das Festkleben des Jungen), die Eihaut müssen wir also regelmässig nasshalten, indem wir sanft mit einem nassen Wattenstab darüber reiben.
Wir gebrauchen dafür aber nur gekochtes Wasser zu ungefähr 40° Celsius.

Die Eihaut darf nur geöffnet werden, wenn die Blutbahnen ganz aus der Haut entfernt sind.
Das ist ein Zeichen, dass das Eidotter von dem Küken ganz eingezogen ist. Dann können wir
das Kükenköpfchen freimachen, aber es weiter in der Haut sitzen lassen. Wir sollen den Vogel
nicht völlig aus der Haut befreihen. Schliesslich wissen wir, dass er für die folgenden Stunden genügend Nahrung mittels seines Eidotters hat. Nach 15 Stunden darf die Eierschale weiter
aufgemacht werden. Es kann sein, dass der junge Vogel verkehrt im Ei liegt. Auf dem Kopf, Flügel über dem Kopf, usw. In diesen Fällen ist unsere Hilfe notwendig.

Auf eigenen Füssen
Das Wunder ist geschehen. Das Küken schlüpfte auf eigener Kraft oder mit etwas Hilfe aus dem Ei. Es trocknet flott auf und beginnt ein prächtiges Leben als Papagei oder Sittich bei uns
im Haus oder in der Voliere. Bevor es aber sofern ist, gehen wir noch auf die Nahrung des Jungen ein: die Handaufzucht wie das in Fachausdrücken genannt wird.
                                                                 HANDAUFZUCHT

Die ersten 15 bis 20 Stunden geben wir dem Küken gar nichts, ausser einem warmen Plätzchen
in einem Kästchen oder - in unserem Fall - einem grossen Bierglas in dem Auskommschrank. Wir meinen hiermit ein schüsselförmiges Bierglas mit dem Zweck Spreizbeine zu vermeiden.
Zuerst verzehrt das Küken seinen Vorrat Narungs- und Abwehrstoffe aus dem Eidotter. Wir
können dann beginnen mit der ersten Nahrung im Moment, da es uns gut passt. Deshalb kann
die Periode vor der ersten Nahrung varieren zwischen 15 oder 20 Stunden. Die Anfangszeit bestimmen ist wichtig, dies wird nämlich in den kommenden Tagen Ihren eigenen Tages rhyth-mus zu einen grossem Teil beeinflussen.

Tag 1
Nach den ersten 15-20 Stunden Ruhe, gilt bei uns das folgende Nahrungsschema. Nahrung 1
und Nahrung 2 bestehen nur aus Biogardeyoghurt und dann nur das Nass dessen. Dies bekom-
men Sie, indem Sie ein Töpfchen durch ein Tüchlein auslaufen lassen. Nur das Nass wird also bei den ersten zwei Nahrungen gegeben.
Ab Nahrung 3 gebrauchen wir Handaufzuchtnahrung von Pretty Bird, die in vier unterschied-
lichen artenspezifischen Zusammensetzungen zu erhalten sind.

Erste 5 Tage
Die ersten Tage wird unser Neuling jede zweite Stunde gefüttert. Ganz kleine, zarte Vögelchen
selbst jede Stunde am ersten Tag, damit sie einen extra guten Start haben. Das Kükengewicht
ist eine gute Richtlinie für die Quantität der Nahrung.
Wiegt das Küken bei der Geburt 15 Gramm, dann geben wir bei den ersten fünf Nahrungen etwa 5 bis 10% seines Körpergewichtes, ausgedrückt in cc’s. Bei 15 Gramm Körpergewicht dürfen die ersten fünf Nahrungen zwischen 0,75 und 1,50 cc liegen, wobei wir vorsichtig beginnen und langsam nach 1,50 cc zuwirken. Das Kröpflein muss nämlich ganz vorsichtig etwas aufgestreckt werden.

Nachtnahrung
Wenn möglich geben wir dem jungen Krummschnabel die ersten drei Tage seines Lebens auch
nachts eine Nahrung, die im Nahrungsschema mitläuft. Ist dies unmöglich, dann ist eine maxi-
male Periode von 6 Stunden zwischen der Abendnahrung und der erstfolgenden Morgennah-rung einzuhalten.

Schrittweise weiter
Als das Küken aufwächst und sein Kropf sich vergrössert, kann die Periode zwischen zwei
Nahrungen verlängert werden zu 2, 4, 6 und nachdem 8 Stunden. Nach zirka 15 Tagen hat
der junge Vogel nur noch 4 Nahrungen pro Tag - jede 6. Stunde. Nach ungefähr 24 Tagen sind es noch 3 Nahrungen die jede 8. Stunde gegeben werden. Dies kann zum Beispiel um 7.00, 15.00 und 23.00 Uhr oder 8.00, 16.00 und 24.00 Uhr. Ein Fehler , den man bisweilen macht, ist dass der Vogel zu oft pro Tag gefüttert wird. Natürlich meinen wir allen das Beste mit unseren Küken, aber zwischen den Nahrungen muss der Kropf völlig leer geraten können. Geschieht das nicht, dann kann der Vogel sich erbrechen. Ausserdem kann Kropfversäurung entstehen. Indem jedesmal Restanten im Kropf  zurück bleiben, können Bakterien und Pilze entstehen.



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Wiegen bleibt wissen
Auch hierbei gilt, dass das tägliche Wiegen des Kükens ein guter Gradmeter ist bei der Kon-
trolle der Entwicklung des Kükens und beim Bestimmen seiner Tagesnahrungsration. Die
ersten Wochen wird das Küken etwa 10% pro Tag in Gewicht zunehmen. Danach nimmt das
Verhältnis ab.

Ein Vogel, der ein paar Wochen alt ist, kann mal einen Tag sein Gewicht halten und eigentlich einen Ruhetag einbauen. Dies ist ganz normal und muss nicht sofort zur Unruhe leiten, wenn am folgenden Tag aber nur wieder Fortschritte im Wachstum merkbar sind.

Temperaturbegleitung
Wenn das Jungtier geboren ist, darf die Temperatur am 1. Tag 37° Celsius sein. Danach wird
die Temperatur schrittsweise abgebaut nach 25° Celsius bis der Babyvogel in die Federn
kommt. Siehe Tabelle.
Die Temperaturbegleitung ist sehr wichtig, es können zum Beispiel Verdauungsprobleme ent-
stehen bei zu hohen oder zu niedrigenTemperaturen.

  Tabelle Temperaturbegleitung
Tag   2 bis 5    36° Celsius
 




Anfertigung Handaufzuchtnahrung
Ein richtiges Mischverhältnis ist sehr wichtig zum Erfolg. Die Pretty Bird Handaufzuchtnah-rung wird zubereitet indem Sie zwei Teilen Wasser mit einem Teil Pulver  mischen. Aber wichtig ist, dass die Menge Nahrung vor dem Mischen gewogen wird. So dass Sie sicher sind, dass das Küken auch die richtige Menge Nahrung bekommt.

Waschen Sie Ihre Hände bevor Sie die Nahrung zubereiten. Seien Sie sicher, dass alles sauber und hygienisch ist. Für jedes Junge aparte Sachen gebrauchen. Mischen Sie die Nahrung nach
der beigelieferten Anleitung. Sie können bestens abgekochtes Wasser verwenden, weil Lei-
tungswasser Bakterien enthalten kann. Die Nahrungstemperatur muss während des Fütterns
zwischen 38 und 42 Grad Celsius sein. Kontrollieren Sie dies immer genau vor dem Füt-
terungsanfang. Mischen Sie die Nahrung jedes Mal aufs Neue, so dass jede Nahrung frisch ist.
Werfen Sie weg was übrig ist - keine Restanten aufs neue gebrauchen.
Bei der Anfertigung des Breis darf die Temperatur nicht über 55° Celsius herauskommen, weil
darüber die Laktobazillen vernichtet werden.

Instruktionen
Eine Mischung der genauen Konsistenz (Dicke) ist wesentlich. Für ein neugeborenes Junge
muss mehr Wasser hinzugefügt werden als für ein älteres Junge. Die Dicke (Verhältnis
zwischen Pulver und Wasser) wird in Prozentsätzen Feststoff ausgedrückt.



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Als allgemeine Regel kann Pretty Bird Handaufzucht bereitet werden, indem Sie ungefähr einen Teil Nahrung mit zwei Teilen Wasser mischen. Das ergibt ungefähr 26% bis 28% Feststoff. Rechnen Sie damit, dass ein Volumenmass mit lockerem, trockenem Pulver weniger
enthält als mit zusammengepresstem Pulver.

Wiegen Sie die jungen Küken täglich vor der ersten Nahrung: die Gewichte werden notiert. Die Vögel müssen jeden Tag 10 bis 13% ihres Körpergewichtes - abhängig von der Art -
zunehmen. Gewichtsabnahme deutet auf Probleme. Eine unerwartete hohe Gewichtszunahme
bedeutet, dass zuviel oder zu oft gefüttert wird.

Zur Berechnung des Feststoffprozentsatzes brauchen Sie eine genaue Waage, bestens ist es
eine digitale Waage zu gebrauchen. Wiegen Sie zu erst das leere Kästchen oder Töpfchen,
worin Sie mischen. Tun Sie dann das benötigte Pulver hinein und notieren Sie das Gewicht
(zum Beispiel 3 Gramm). Fügen Sie dann die vorgeschriebene Dosis Wasser hinzu und notie-ren Sie das Totalgewicht (zum Beispiel 11 Gramm). Teilen Sie jetzt das Pulvergewicht durch
das Totalgewicht. Das Ergebnis gibt das Verhältnis für den Feststoff: 3 : 11 = 0,27. Stellen Sie
das Komma zwei Stellen nach rechts und Sie haben den Feststoffprozentsatz. In diesem Bei-
spiel also 27%.

Schema für Handaufzuchtnahrung mit Pretty Bird

Alter in Tagen           % Feststoff          Anzahl Fütterungen pro Tag

1 - 2                           10 - 12%             jede 2. Stunde während eines Tages von 18 Stunden *
3 - 6                           12 - 20%             6 - 7 Mal
7 - 15                         20 - 24%             6 Mal
ab 15                          24 - 28%             4 - 5 Mal
ab 22                          24 - 28%             3 - 4 Mal

* Wenn möglich dürfen neugeborene Jungen auch nachts ein Mal gefüttert werden.

Der Feststoffprozentsatz soll langsam zunehmen. Im Alter von 15 bis 20 Tagen müssen die Jungen nur noch viermal pro Tag gefüttert werden. Für kleine Arten ist es bisweilen besser noch öfters zu füttern.
 
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